(Abstract: K. Rippe) Im folgenden Artikel beschreibt Robert Gräser wie er Trichocereus vatteri in ein einem Jahr nach der Aussaat zur Blüte und zum Fruchten brachte.
Damit demonstriert R. Gräser eindrucksvoll die Möglichkeiten wie Kakteen früh zur Blüte gebracht werden können. Lesen Sie hierzu auch den R. Gräser Artikel,
´Wie macht man Kakteen blühwillig´. Er zeigt damit eindrucksvoll Möglichkkeiten auf die jedem Liebhaber zur
Verfügung stehen um Kakteen in kurzer Zeit zur Blüte zu bringen. Möglichkeiten die besonders bei der Anzucht von neuen Kakteen Hybriden einzusetzen sind.
Die angezogenen Trichocereus vatteri hat R. Gräser später intensiv für weitere Kreuzungen eingesetzt. So hat er im großen Umfang seine ´flagcand F1´(Aporocandicans)
Kreuzungen mit diesen Tr. vatterii bestäubt. Daraus sind einige der bemerkenswertesten Gräser Hybriden wie die
´Gräser Super Gelb´ Bild 2, sowie die
´Kaffee´ Bild 1, entstanden. Darüber hinaus hat er eine Vielzahl weiterer Pflanzen aus diesen Kreuzungen groß
gezogen die heute kaum noch bekannt sind; Bild 3, Bild 4.
Bild 1: x flagcand Hybr. ´Kaffee´.
Kreuzung aus ´Gräsers Vermächtnis x Tr. vatteri´. Foto R. Gräser.
Einjährige Trichocereen blühen normalerweise noch nicht, weder in der Natur noch unter den ihrem Wachstum zumeist viel günstigeren Bedingungen in einer gut gepflegten Kakteensammlung. Daß es im vorliegenden Fall gelang, innerhalb Jahresfrist bei einem Trichocereus Blüten, Früchte und Samen zu erzielen, ist dennoch nichts Besonderes; es genügte, allgemein bekannte Tatsachen und Erfahrungen zu nutzen. Die Samen, die gelegentlich der Wiedergründung der DKG im Juli 1949 zur Verteilung kamen wurden sofort ausgesäet und keimten nach etwa zehn Tagen. Wenige Tage später wurden einige der Kügelchen von 1 1/2 mm Durchmsser auf die Spitzen in gutem Wachstum befindlicher, etwa 15cm hoher H. jusbertii gepfropft. Nun musste die ganze assimilierende Fläche des H. jusbertii Baustoffe für den winzigen Pfröpfling schaffen, und nach erfolgtem Anwachsen standen dem Pfröpfling die Baustoffe zur Verfügung die dem H. jusbertii in den folgenden Monaten vielleicht noch ein Wachstum von 10 cm ermöglicht hätten. Gegen Ende September hatten einige der Vateri-Pfröpflinge Durchmseer und Höhen von 3cm. Blühfähig waren sie damit noch nicht.
Bekannt ist, daß Apfel- und Birnenwildlinge erst als Bäume, also nach Jahren, blühfähig werden, daß sie aber, auf Zweigenden großer fruchtender Bäume gepfropft, sich wie die übrigen Zweige dieses Baumes verhalten und sofort auch blühfähig werden. Mir stand ein 75 cm hoher kräftiger Trichocereus candicans zur Verfügung, der schon seit Jahren im Frühjahr aus Scheitelnähe 3-4 seiner großen, weißen Blüten entwickelte, dazu dann im Laufe des Jahres auch noch eine Anzahl Blüten aus tieferliegenden Areolen aus der Seite des Stammes tieb. Wie der blühende und fruchtende Apfelbaum musste auch dieser T. candicans jene besondere Zusammensetzung der Säfte oder jene Blühhormone besitzen, die auch einen aufgepfropften T. vateri zum Blühen bringen konnten.
Bild 2: x flagcand Hybr. ´Gräser Super Gelb´.
Kreuzung aus ´Gräsers Vermächtnis x Tr. vatteri´.
Schönes, trocknes, warmes Herbstwetter ermöglichte und begünstigte das Vorhaben: von dem Trichocereus candicans wurde der Kopf, etwa 3cm tief, entfernt und durch einen Trichocereus vatteri Pfröpfling ersetzt. Nach dem erfolgreichen Anwachsen - es war unterdessen Oktober geworden - wurde die Pflanze nicht etwa noch mal getrieben und und zu weiterem Wachstum bewegt; im Gegenteil, das Gießen wurde vollständig eingestellt und die Pflanze trocken, kühl und ziemlich dunkel überwintert. Von Ende Februar an aber erhielt sie, noch immer völlig trocken gehalten, auf einem der Gewächshaustische stehend, die volle Sonne. Daß der Pfröpfling schon im März drei Knospen entwickelte, diese überraschende Entdeckung blieb unserem Nürnberger Kakteenfreund Schmidt vorbehalten, er konnte Dank seiner Körpergröße bei einem Besuch den Scheitel von oben besehen, zu dem ich für gewöhnlich nur von unten hinaufsah. Von da an verfolgte ich natürlich auch das weitere Wachstum. Anfangs ging es recht langsam vorwärts, das hat die Art anscheinend mit Trichocereus andalgalensis gemeinsam. Schlieslich streckten sich die Knospen schneller und erblühten, drei an der Zahl, alle zu gleicher Zeit. Am zweiten Tag, in der Mittagssonne, erreichten sie mit 13 cm Durchmsser ihre volle Größe.
Alle drei Blüten setzten auch Früchte an, die groß und länger waren, als ich das von meinen übrigen Trichocereen gewohnt war. Wie das bei anderen Trichocereen, auch bei den Echinopsen, bekannt ist, sprangen sie dann zur Reifezeit der Länge nach auf, un aus schneeweißem Fruchtfleisch leuchteten die glänzenden schwarzen Samen heraus. Von den Samen wurden einge sofort ausgesäet; sie erwiesen sich als keimfähig. Von der ersten Aussaat bis zum Blühen, Fruchten und zu neuer Samenreife war ziemlich genau ein Jahr vergangen.
Bild 3: Trichocereus vatteri Hybride. Foto Rober Gräser
Bild 4: Trichocereus vatteri Hybride. Foto Rober Gräser
Wer sich mit dem Trichocereus vatteri und seinen Hybriden beschäftigt und selbst Kreuzungen damit macht, erlebt interessante Überraschungen. So treten bei weiteren Kreuzungen Blüten in nahezu allen Farben von gelb, orange, kupfer und rot in allen Nuancen auf. Außerdem zeigt sich das sich der T. vatteri seine Eigenschaften sehr dominant vererbt. Das lässt sich besonders am Habitus, die Hybriden tendieren fast immer zum T. vatteri, aber auch an der Blüte feststellen. Die Blüten des T. vatteri halten leicht zwei bis drei Tage, diese Eigenschaft vererbt sich ebenfalls dominant auf die neuen Hybriden.
*) Der von Ernesto Vatter entdeckte und eingeführte neue Trichocereus ist bis jetzt noch nicht beschrieben. Die endgültige Benennung muß den Systematikern überlassen bleiben. Solange soll er als Trichocereus ´vatteri´ bezeichnet werden.
Der Artikel 'Wie Trichocereus vatteri einjährig blühte und fruchtete.', wurde im Oktober 1950 in der
'KuaS' veröffentlicht.
Wiedergabe des Artikels mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der KuaS und des Autors.
